Samstag, 6. September 2008

Die Menschen in Nordkalifornien

In Oregon glaubten wir einen besonderen Menschenschlag ausgemacht zu haben. In Kalifornien nördlich von SF gibts den typischen Kalifornier nicht, genauso wenig wie die charakteristische Landschaft. (Alles wechselt ständig!) Individualität ist das Prägende. In Erinnerung bleiben Leute, wie der knorrige Bärtige 50er in Westport mit den Lederstiefeln, der All-Seasons-Hose aus Wind und Sonne gebleichtem Stoff, der zuerst seine zwei Eissäcke in die Kühlbox seiner alten Karre schüttet und dann umständlich seinen Gasoline-Bidon vollzapft. Oder die in Point Arena vor Anker gegangenen Althippies, die wohl schon bessere Tage gesehen haben, aber hier, fern von San Francisco's Hektik, im Bio-Bistro-Store ihre alternative Lebensweise fortführen können. Aber auch die Rennrad-Biker, die von SF oder den Vororten rasch mal auf der CA 1 ein paar Hügel bezwingen und für andere Zweirad-Fahrer keinen Blick frei haben.
Ja, ein bisschen narzistisch dünken sie uns schon, die Leute hier, sowohl die Einsamkeits-Virtuosen in den Wind durchspülten 50-Einwohner-Nestern im Norden, als auch die Zeitgeist-Surfer in und um SF herum. - Das ist alles nicht despektierlich gemeint; es kommt meist sympathisch bis skurril herüber. Sogar jene jungen Frauen, die heschelnd auf den Promenaden Joggen, den schnittigen Kinderbuggy vor sich her bugsierend. Joggen und Biken scheinen hier überhaupt Volkssport für Jung und Alt zu sein. Auf der golden Gate müsste es für sie eigentlich auch sechs Spuren geben, statt nur je eine auf jeder Seite.

Donnerstag, 4. September 2008

San Andreas Fault

From Seattle to San Diego-Tour

Im Visitor Center in Olema herrschte flirrende Nervosität bzw. hohe Alarmbereitschaft. Fast in jedem zweiten Satz der Ranger war von Fire die Rede - und draussen strand der Feuerwehrlaster einsatzbereit. Es herrscht hier im Moment extreme Brandgefahr. Bloss eine weggeworfene Zigarrette und das Land stünde in Flammen. Auch aus diesem Grunde haben wir auf die Point Reyes National Seashore verzichtet, darum auch das spektakulär gelegene Lighthouse nicht gesehen. Schade v.a., dass wir das seit den 1970er-Jahren unter President Kennedy zum Nationalpark erklärte Naturschutzgebiet nicht haben erkunden können. Es wäre auch zeitlich nicht drin gelegen, denn allein die Fahrt zum Leuchtturm hätte 60 zusätzliche Kilometer bedeutet. Bei der enormen Hitze wäre das in der zur Verfügung stehenden Zeit ohnehin nicht möglich gewesen.
Aber der Trail an der San Andreas Fault vorbei war ein bisschen Entschädigung.
From Seattle to San Diego-Tour

Gestern sind wir die über 30 km lange Thomales Bay entlang gefahren und meinten, an einem See, nicht am Pazifik zu sein. Mitten durch diese Bay und die Landverbindung der Halbinsel zum Festland liegt die berühmt-berüchtigte geothermische Verwerfungszone. Auf dieser Linie kann man mit einem Bein auf der Nordamerikanischen, mit dem anderen auf der Pazifischen Platte stehen. Die letztere driftet pro Jahr etwa 5 cm nach Norden. Wenig spektakulär eigentlich. Wenn sich die Platten jedoch verhaken, kommt es zu den earthquakes.
Am 18. April 1906 bewegte sich die Point Reyes Halbinsel aufs Mal um 4 bis 6 m nach Norden und es entstand ein Graben von fast 1m Breite. Da waren nicht nur Holzzäune plötzlich um 6 m versetzt, sondern auch Scheunen entzweigerissen. (Das wäre noch heute zu sehen.) Auch Mythen sind da natürlich entstanden, etwa der von der Kuh Mathilde, die in den Graben stürzte, das Genick brach und von der nur noch der Schwanz zu sehen war.
Das sind natürlich hübsche Reminiszenzen im Vergleich zu den Verheerungen in SF. Die Stadt wurde zu 80% zerstört und das Grossfeuer (nicht zu löschen, weil die Wasserrohre geborsten waren), besorgte den Rest.
Das alles ist uns zwar schon im Geografie-Unterricht vermittelt worden, aber über der Spalte selber zu stehen und sich die Verheerungen vorzustellen macht ddoch einen ziemlichen Unterschied.
Wir waren hier aber nicht nur auf dem earthquake-, sondern auch auf dem kule loklo-trail, wo wir über die Lebensweise der Miwok-Indianer, der Ureinwohner hier informiert wurden. (Sie hatten auch Erdhäuser wie die Annasazi - du erinnerst dich, Andreas!) Mindestens 8000 Jahre existierte ihre Kultur - offensichtlich in Einklang mit der Natur! Wohingegen die Weissen nach mikrig kurzer Zeit nur weniges unversehrt gelassen haben.

From Seattle to San Diego-Tour

Die Fahrt schliesslich über die knappen 70 km bis zur Golden Gate war dann - wenigstens für G. - die reine Willensleistung. In der brüllenden Hitze durch eine Landschaft mit engen Schluchten und Aufstiegen mit 15% Steigung und mehr brachten einen von uns ans Limit. Wie weit entfernt war da der Schwumm über den kühlen Walker River und zurück 24 Stunden vorher! Mit einer Mischung aus völliger Erschöpfung und der Genugtuung, es bis hierher geschafft zu haben standen wir etwa um 16 Uhr Nachmittags oberhalb der berühmten Stahlkonstruktion. Emotional bewegend. (Befahren werden wir sie erst morgen.)
Und dann nochmals einige Kehren rauf, auf dem Weg zum ersehnten Permit für den wilden Campground (siehe Eintrag von gestern). Zu spät; alle Permits waren schon weg. Zum Glück gibt's gleich nebenan ein Hostel das noch freie Betten hat. Da konnten wir in der Grossküche wenigstens ein wirklich leckeres Dinner zubereiten. - Und zwei wirklich nette Schweizer kennen lernen.

Mittwoch, 3. September 2008

Russische Siedler an der Westküste

Der Beiname "Russian" begegnete uns schon vor Fort Ross mehr als einmal. - Gab's an der nordamerikanischen Westküste russische Siedlungen (von der bekannten Tatsache abgesehen, dass Alaska bis 1867 russisch war)?
Ja, und zwar von 1812 bis 1841. Ein erstaunliches Kapitel amerikanischer Siedlungsgeschichte? Der dänische Seeoffizier Vitus Bering (Bering-Strasse) segelte für Zar Peter den Grossen. Er entdeckte die Pazifikküste Alaskas und nahm so für Russland diese in Besitz (kam dabei allerdings wie der Grossteil der Besatzung zu tode). Die Überlebenden begannen mit dem Abschlachten der Otter und Biber - Kahlschlag schon damals!
From Seattle to San Diego-Tour

Die Pelztierjäger hatten allerdings ein Nahrungsproblem. Das löste dann die Russisch-Amerikanische-Gesellschaft. Sie hatte vom Zaren das Monopol auf alle russische Unternehmungen in Nordamerika. Einem Leutnant names Kustov gelang es 1812, den Indianern für ein paar Kleidungsstücke und Werkzeuge ein grosses Stück Küstenland abzuläschelen. Und da das Fort Ross zu gründen. Dieses versorgte die nächsten 29 Jahre die russischen Siedlungen in Alaska mit Getreide und Fleisch. Hierher geholt wurden sibirische Handwerker und Soldaten; die Hauptarbeit erledigten aber die Indianer.
From Seattle to San Diego-Tour

Auch in Fort Ross begann nun die Pelztierjagt. Und zwar auf Robben und Biber. Dafür holte man männliche Ureinwohner aus Alaska mit ihren wendigen Kanus hierher. (Sie vermischten sich mit den Indianern hier und bildeten eine kreolische Mischgesellschaft.)
Die Raubbauer bezahlten die Zeche bald, sowohl hier wie in Alaska. Die Seeotter-Populationen wurden fast ausgerottet, so dass Alaska und Fort Ross für die Russen unrentabel wurden.
Hier in Fort Ross griff dann der Schweizer Johann August Suter zu; er erwarb 1841 Fort Ross für ein Butterbrot, liess alles Wertvolle in sein Fort im Sakramento Valley transportieren und das Fort hier zerfallen. (Alaska ging dann 1867 für bekanntlich 7.2 Mio $ an die Amerikaner.)
Die heutige restaurierte Analage bietet einen sehr informativen Einblick in die damalige Siedlgungszeit. Interessant sind nicht nur die Werkzeug und Waffensammlungen, sondern auch die hier einstmals versammelte russische Wehrkraft. Zwei Wehrtürme dienten der Verteidigung, der westliche mit Kanonen bestückte sollte spanische Angriffe abwehren. (Abgesehen von der seit 1811 bestehenden amerikanischen Siedlung Astoria and der Columbia Mündung stand die Küste bis San Francisco unter spanischem Einfluss.) Dass der östliche Wehrturm gegen Indianerangriffe schützen sollte wirkt dagegen reichlich seltsam. Das schlichte russisch-orthodoxe Kirchlein am Eckpunkt zwischen den beiden Wehrtürmen bietet für uns eine Art ironischen Kontrast.
Erfreulich ist, dass das Fort Ross nicht nur hyperrealistisch restauriert worden ist, sondern auch wissenschaftliche Forschung betrieben wird, so zum Beispiel die Ausgrabungen rundherum, die unter anderem den Friedhof freilegten.

Langsamer Ritt durch trockene Landschaft

From Seattle to San Diego-Tour

Nachdem wir in diesem farbenprächtigen Alternativ-Beizli ein leckeres Panini genossen und den bisher besten Kaffee auf der Tour getrunken hatten, brachten wir die restlichen 60 km der 110 km Etappe erstaunlich locker hinter uns. Im Stillwater Cove Campground erwartete uns ein schöner Pinienplatz und noch einige Stunden Sonnenschein. (Um zu duschen hätten wir aber je 6 Quarters gebraucht, die wir natürlich nicht hatten. Warm duschen oder gar nicht duschen. Also mussten wir uns mit einer Katzenwäsche begnügen.) Nachts war dann noch ein Angriff eines Waschbären auf unseren Vorratskasten abzuwehren. Dafür war das die erste relativ warme Nacht. (G pennte draussen.)
Heute folgte mit dem Fort Ross ein Abstecher in einen wenig bekannten Teil der amerikanischen Geschichte.
From Seattle to San Diego-Tour

Näheres dazu später.
Wir befinden uns jetzt in Point Reyes, kurz vor Ende der heutigen Etappe. Bis zur Golden Gate Bridge sind es noch etwa 60 km. Allerding planen wir erst übermorgen in SF einzurollen, denn wir wollen morgen den Point Reyes National Seashore besuchen. Point Reyes ist ein Nationalpark auf der bergigen, windigen Halbinsel, über den San-Andreas-Graben mit dem Festland verbunden. Die letzte Übernachtung soll dann im Golden Gate Recreation Area in totaler Wildnis sein. Man soll einen fantastischen Blick auf die Lichter der Stadt geniessen und zugleich an einem Ort sein, wo Waschbär und Squirrel einander gute Nacht sagen.
Damit wir das tun können, mussten wir zwei ziemlich lange, strenge Tagesetappen bewältigen. Die heutige war wiederum nahezu 100 km lang und gehört mit ihrem ständigen Auf und Ab zu den strengsten der Tour. Es gab kaum Abschnitte zum Rollen. Regelmässig musste ein Teil der Fahrer (!), um die sehr steilen Aufstiege zu bewältigen, vorne auf der kleinen Scheibe fahren. Das Tempo fiel fast auf Schritttempo zusammen.
From Seattle to San Diego-Tour

Dominant waren wiederum die dunkelbraunen "Wiesen" auf denen das Vieh mehr herumstand, als dass es weidete. Vor wenigen Kilometern konnten wir beobachten, wie ein Farmer mit Heuballen auf ein Feld fuhr. Das Vieh gallopierte regelrecht hinter ihm her!
Entgegen allen Informationen, wonach hier an der Küste den ganzen Vormittag lang jeweils Nebel das Gebiet beherrschen soll, haben wir noch keine Nebelschwaden gesehen! Liegt das am Monat September oder an etwas anderem?
Was zudem hier häufig beobachten, ist Folgendes:
From Seattle to San Diego-Tour

Den sehen wir hier überall.

Dienstag, 2. September 2008

Verdorrtes Land

In Fort Bragg haben wir das Wochenende des Labor Days verbracht. Der Campground war überfüllt mit Jugendlichen vornehmlich aus San Francisco. Interessante soziale Unterschiede zwischen den Campern des Vortages und denen hier. Am Freitag Abend wurde viel Spanisch gesprochen während am Samstag riesige Alufelgen an Pickups montiert und Audi und Lexus die Marken der Wahl waren. Entsprechend gestylt waren auch die Leute.
From Seattle to Sa...

Wir waren froh um unser kleines Hide Out am Rand der Hiker Biker Site.
Frappant der Unterschied dann am Montag Abend in Van Damme State Park Campground: Einsamkeit pur.
Den Labor Day verbrachten wir grösstenteils auf dem Skunk Train, der uns von Fort Bragg nach North Spur ins Nirgendwo und wieder zurück brachte.
From Seattle to Sa...

Für künftige Hier-durch-Reisende: Diese Fahrt führt komplett durch Second-Growth-Wald und ist ziemlich enttäuschend, wenn man die Avenue of the Giants befahren hat oder wird. (Für 47$ pro Person wird reichlich wenig geboten, nicht mal Verpflegung; vielleicht sind wir Schweizer aber etwas zug- und aussichsverwöhnt...)
Nach Fort Bragg wird die Landschaft noch menschenleerer. Sogar Mendocino ist eigentlich ein Nest, wenn man seine Bekanntheit in Betracht zieht.
Das Farmland hier ist von einer Ausnahme abgesehen gänzlich verdorrt. Das wenige Vieh auf den Weiden findet jedenfalls kein Gras. Zahlreiche Farmen sind denn auch aufgegeben. Wir fahren an eingestürzten Scheunen vorbei. Die Ausnahme ist die Grossranch vor Point Arena. Mit Bewässerungsanlagen lässt sich grüne Landschaft erzeugen.
Heute Morgen haben wir auch den steilsten Abschnitt unserer Tour hinter uns gebracht. Schröder hatte Recht: die nahezu 20% Steigung lupfen einem fast das Vorderrad vom Asphalt.
Den westlichsten Punkt der amerikanischen Westküste (ohne Alaska), das Point Arena Lighthouse, haben wir nicht besucht. Es ist wegen Renovation geschlossen. Dafür hat die Library im Dorf den langersehnten Zugang zum Internet.

Einen Gruss senden wir von hier aus an Albertine in Pfäffikon.

Eine Frage an die Theatergruppe des KSL: Wie läuft es euch in der Schlussphase vor der Premiere? Es soll sich doch mal jemand von euch im Blog melden. Wir wünschen euch jedenfalls gute Fortschritte in dieser produktiven aber stressigen Phase.

Erste Kilometer auf der CA 1

Die CA 1 wurde von SF der Küste entlang gebaut. Dort, wo sie nach Osten abbiegt und schliesslich über den Legget Hill führt, haben die Ingenieure vor der Geologie der Küste kapituliert. Wer von Legget aus auf ihr fährt, ist vorerst fasziniert von ihrem rythmischen Verlauf über den Pass. Die Kurven den Pass runter sind nahezu als Steilwand Kurven angelegt. Wir konnten jedenfalls runterrauschen ohne ständig bremsen zu müssen.
Wenn sie dann an den Pazifik kommt, nehmen einen zu erst die an die Küste gepeischten Wellen gefangen. Der Verlauf der Strasse ist kaum einsehbar, denn sie führt ständig in kleine Canyons hinein, um sich dann den nächsten Hill hinauf und um ihn herum zu winden. Wie unendlich aneinander gereihte offene Reissverschlüssen; von aussen rein und runter, bis zur 180°-Kurve und auf der anderen Seite wieder raus und rauf. Auch einer Achterbahn vergleichbar. So zu fahren macht Spass aber man überschätzt und übernimmt sich leicht. Kaum einmal kann man den Schwung aus dem Downhill mitnehmen in den nächsten Aufstieg, und der ist durchwegs ruppig. Trotzdem liessen wir uns nach der Rast in Westport zu einem Rennen verleiten. Und das kam so:
Nach knapp 1500 km überholte uns zum ersten Mal einer auf einem Rennvelo, ein etwa 50-Jähriger, der sich darüber freute nicht so viel Gewicht mitschleppen zu müssen. Kurz danach ein weiterer älterer Herr, gleich ausgerüstet wie der erste. Nachdem er uns passiert hatte, kam er nicht mehr recht voran. Jedenfalls fuhren wir unser normales Tempo weiter und gingen wieder an ihm vorbei. Er versuchte anzuhängen, liess aber nach ein paar Kilometern abreissen.
Wir beide sprachen nicht miteinander, begannen jetzt aber kräftiger in die Pedalen zu treten. Mit Fahrern auf Rennrädern hatten wir doch schon im Iran mithalten können! Es begann eine Aufholjagt, bei der es lange so aussah, als ob wir sie verlieren würden. Erstaunlicherweise holten wir bergauf und auf der Ebene auf, verloren aber Terrain bei den Abfahrten. Jetzt fing es an Spass zu machen; wir fuhren raschere Ablösungen, achteten aber darauf, die Muskeln nicht zu übersäuern. Nach 20 km holten wir ihn ein - vier Kliometer vor Fort Bragg wo wir zum Campground abbiegen mussten. - Kindisch? Sicher, wir fuhren wie Buben und freuten uns wie Buben. Soll auf einer so langen Tour nicht erneut der Alltag Einzug halten, müssen wir von Zeit zu Zeit so etwas Verrücktes machen.

CA 1

(Dieser Artikel kommt etwas zu spät. Kein Internet in Fort Bragg)

Seit wir gestern die Avenue of the Giants hinter uns gelassen haben, begegnen uns nur noch Einzelexemplare von Rothölzern. Der Wald ist nach wie vor dominant, hat aber jetzt einen anderen Charakter.
Was wir über die Sequoias geschrieben haben, mag für einige übertrieben geklungen haben. Tatsächlich haben wir aber weder mit den Bildern noch mit den Texten das Überwältigende der Sinneseindrücke wiederzugeben vermocht.
Zum Verständis der ökologischen, aber auch der ökonomischen Zusammenhänge beigetragen haben auch die Visitorcenters, vor allem das letzte in Burlington. Die Ausstellungen da warten jeweils mit informativen Exponaten auf, enthalten eine Fülle von dikaktisch bestens präsentierten Infowänden, bieten eine grosse Auswahl an Büchern und zeigen in den Film- und Videovorführräumen beste, auch historische Dokumentationen. Wir wissen jedenfalls jetzt einiges, auch über die Besiedlung seit den 1870er-Jahren. Ein Lob verdienen auch die RangerInnen, die nicht nur bereitwillig Auskunft geben, sondern auch bestens Bescheid wissen.
Ehre bizarr ist dann eher die Kommerzialisierung, die vor allem in den sogenannten Giftshops ihre Blüten treibt. Bei der ersten Begegnung mit der Motorsäge-Kunst, deren typische Resultate Schwarzbären in Lebensgrössen und überdimensionierte Indianerköpfe sind, ist man noch beeindruckt. Wenn dann das immer Gleiche in exakt derselben Ausführung vor den x-ten Laden steht, schüttelt man eher der Kopf. Vervielfältigungen noch und noch. Auch in den Shops drin ist das Angebotene Massenware, Schattullen, Tiere, Figuren aller Art, alles aus dem roten Holz. - Immer gewissermassen zu Tode poliert. - Ein handliches Stück Redwood, unbehandelt, nur gefräst, gibt es nirgends zu kaufen. Als Abfallprodukte in der Fabrik in Scotia hätte man es vielleicht mitnehmen können, aber eben, sie ist nicht mehr offen für Besichtigungen.
Das auch bei uns bekannte Bild vom Drive Thru Tree, durch den Autos fahren können, ist das vielleicht offenkundigste Beispiel für die Vermarktung: der unten ausgefräste Baum steht auf einem Rundkurs von gerade mal 50 m (!) Länge, also nicht etwa auf einer Waldstrasse [Anm. des Typisten; als ob das nicht schon immer klar gewesen wäre], pro Durchfahrt werden 2$ verlangt. Es ist bloss ein lächerliches Spektakel.
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Die Fahrt am Eelriver entlang.
Wir sind gut zwei Tag dem Eelriver entlang gefahren. (Er hat bei der Flutkatastrophe 1964 die grössten Verheerungen angerichtet.) Geboten bekamen wir eine abwechslungsreiche Landschaft: die Schlangenlinie des Flusslaufs, die Hügel mit den goldgelben Grasflächen (die dürren Gräser gleissen im Licht der Sonne), die dunklen Mischwälder.
Die US 101 ist hier oft zum richtungsgetrennten vierspurigen Freeway ausgebaut. Auf manchen Streckenabschnitten wird sie jedoch zur engen Passstrasse. (Ähnlich etwa wie die Brünigstrecke.) Dass wir hier am Wochenende durchgefahren sind, war ideal, denn da sind keine Trucks unterwegs. Es war schon beim starken Privatverkehr am Wochenende des Labordays für uns oft heikel. Die Amerikaner fahren zwar grundsätzlich Rücksichtsvoll, aber sie steuern sehr breite Wagen - und sie sind sich Biker nicht gewohnt. So kam es schon mal zum engen Überholen.
Die Bauarbeiten sind im Gang, diese engen Passagen zu beseitigen. "Your tax dollars at work" steht auf Hinweistafeln, aber auch "keep you eyes on the road", nämlich da, wo man seine Blicke auf zum Beispiel spektakuläre Pfeiler des neuen Viadukts wirft.
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In Leggett verliessen wir die US 101 und fuhren auf der CA 1 weiter. Sie führt wieder zurück an die kalifornische Küste und verspricht wieder verkehrsarm zu sein (der Hauptverkehr rollt auf der 101). Allerdings verlangt sie uns physisch viel ab. Waren schon die letzten 50 km der 101 gespickt mit ruppigen Steigungen, sind diese ab jetzt die Regel.
Mit dem Legget Hill haben wir inzwischen die höchste Erhebung der Reise passiert. Der relativ sanfte 6 km lange Anstieg führte und auf 700 m Höhe. (Wir werden übrigens erst kurz vor LA wieder auf die US 101 stossen.)

Zum Wetter / Temperaturen:
An sich könnte das Wetter nicht besser sein; am Nachmittag steigt das Quecksilber auf etwa 30°C an. Am Abend wirds aber regelmässig empfindlich kühl, ja kalt. Der starke Wind lässt einen zusätzlich frösteln. Von der Thermounterwäsche, zum Pullover bis zur Windstopper Jacke ziehen wir alles verfügbare über - und haben noch immer etwas kalt.